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Unterirdisch und überfällig: die Jazz Hall der Musikhochschule

Richtfestfür eine neue Spielstätte, mit fünf Millionen Euro von der E. A. Langner-Stiftung finanziert. Die Zahl der Studienplätze wird erhöht

Heinrich Oehmsen

Hamburg Die Richtkrone, die in Richtung Himmel hochgezogen wird, wirkt wie ein Symbol: Es geht aufwärts mit dem Jazz in Hamburg. An der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) wurde nun Richtfest für ein neues spektakuläres Gebäude gefeiert, die „Jazz Hall“. Dahinter verbirgt sich ein weitgehend im Boden eingelassener Konzertraum. Der 200 Zuhörer fassende Saal entsteht vor dem Budge-Palais und den Trautwein-Gebäuden unter der Gartenanlage, die sich in Richtung Harvestehuder Weg erstreckt. Die Hälfte der Tiefgarage musste für den Neubau weichen.

Als „Maulwurf-Haus“ bezeichnet Mäzen und Jazz-Förderer Ernst A. Langner das neue Gebäude, das sich mit seinem runden Dach aus der Rasenfläche wölbt, um die Sichtbarkeit des denkmalgeschützten Budge-Palais nicht einzuschränken. Das Besondere an der von Jan-Oliver Meding entworfenen Architektur ist, dass die Jazz Hall sowohl Indoor als auch Outdoor genutzt werden kann. Vor der vollständig zu öffnenden Glasfassade sollen Sitzstufen errichtet werden, sodass auch von draußen zugeschaut werden kann, wie in einem kleinen Amphi-Theater.

Seit 2004 engagiert sich Langner für den Jazz in Hamburg. Er hat den mit 10.000 Euro dotierten Hamburger Jazzpreis ausgelobt und es sich mit seinem Engagement für den Jazz auch zur Aufgabe gemacht, die HfMT massiv zu unterstützen. Mit fünf Millionen Euro finanziert die E. A. Langner-Stiftung die Jazz Hall, weitere 700.000 Euro steuert die Hansestadt Hamburg bei. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) würdigte die Jazz Hall als wichtigen Beitrag zur Musikstadt Hamburg: „Die Offenheit des Jazz entspricht als Haltung der Stadt“, so Tschentscher.

Für Langner erfüllt sich eine Vision, er nennt die Jazz Hall ein „Leuchtturmprojekt“ und betont die Wichtigkeit so einer Spielstätte: „Jazz entsteht durch Improvisation, und die ist nur in der Gruppe möglich. Allein kann man nicht improvisieren.“ Dass die Jazz Hall zum Teil im Untergrund errichtet wird, ist für ihn kein Makel: „Der Jazz ist auch früher schon in die Keller gegangen.“ Die Jazz Hall wird nach der Fertigstellung im Herbst zum 550 Quadratmeter großen Musiksaal werden, der speziell auf die Bedürfnisse des Studiengangs Jazz zugeschnitten ist, jedoch auch für Vorlesungen genutzt werden kann. Die Bühnengröße: elf mal sieben Meter.

Hamburg galt lange nicht gerade als eine Jazz-Hochburg. Doch in den vergangenen Jahren hat sich einiges getan. Der NDR blickt mit seiner Bigband und seinen Jazzkonzerten auf ein Jahrzehnte langes Engagement zurück; das Elbjazz-Festival, das Programm der Elbphilharmonie, diverse kleine Clubs und die Hochschule für Musik und Theater (HfMT) mit ihrem Studiengang haben dem Jazz zuletzt zu sehr viel Aufmerksamkeit verholfen. Seit 15 Jahren ist Professor Wolf Kerschek, selber Gewinner eines Echos und des Hamburger Jazzpreises, verantwortlich für die Ausbildung junger Jazzmusiker. Auch hier hat Ernst A. Langner entscheidend Unterstützung gewährt. Zusammen mit seiner Stiftung konnte der Masterstudiengang Jazz an der HfMT 2014 eingerichtet werden. Anfangs gab es acht Studierende.

2021 übernimmt die Wissenschaftsbehörde die Finanzierung des Studiengangs und baut ihn auf 16 Plätze aus. Insgesamt 66 junge Musiker und Musikerinnen werden dann als Lehramts- oder Master-Studenten an der HfMT eingeschrieben sein. Mit der Jazz Hall steht ihnen ein Raum zur Verfügung, der zu einem Kreativzentrum für Komposition und Improvisation werden soll. Es geht aufwärts mit dem Jazz in Hamburg.

 

Hamburger Abendblatt | 25. Januar 2020