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Interview von Jan-Oliver Meding zum Thema Schallschutz

„SENSIBEL SEIN“

Jan-Oliver Meding ist Geschäftsführender Gesellschafter des Hamburger Architekturbüros MPP. Im Interview spricht der Experte über Entwicklungen beim Schallschutz in Hotels.

Hoteldesign:Herr Meding, Sie sind seit rund 25 Jahren im Geschäft. Inwieweit hat sich in dieser Zeit der Stellenwert verändert, den Gäste und Hoteliers dem Schallschutz beimessen?
Meding:Gäste sind deutlich sensibler gegenüber Verkehrslärm und Geräuschen durch die Haustechnik geworden. Darauf wird bei der Planung und Ausführung in aller Regel geachtet. Gleichzeitig hat sich in manchen Häusern ein Klangteppich aus Hintergrundmusik und Entertainment herausgebildet, der diese Entwicklung konterkariert.

Hoteldesign:Und Sie kritisieren das?
Meding:Nein, denn zu manchen Hotelkonzepten passt das einfach. Man sollte nur stets die Zielgruppe eines Hotels im Auge behalten, schließlich sind nicht alle Gäste party-affine Hipster. Grundsätzlich finde ich, wenn man sich schlecht unterhalten kann, verliert ein Hotel an Aufenthaltsqualität.

Hoteldesign:Welche anderen typischen Fehler werden noch immer beim Thema Schallschutz gemacht?
Meding:Dass man sich dem Thema erst in einer späten Planungsphase widmet und dann zum Teil aufwändige Nacharbeiten nötig werden. Auch der Haustechnik mit ihren Luft- oder Wasserleitungen wird im Hinblick auf die Schallentwicklung häufig zu wenig Aufmerksamkeitzuteil. Man sollte als Bauherr also sensibel sein und schon bei der Planung und Ausführung darauf achten. Bei der Innenraumgestaltung ist puristisches Design mit harten Materialien aktuell ja sehr angesagt, was sich allerdings sehr negativ auf die Klangatmosphäre auswirken kann, wenn man es nicht mit anderen Maßnahmen ausgleicht.

Hoteldesign: Moderne Materialien und Gestaltungselemente können heutzutage viele Umgebungsgeräusche schlucken. Ist die technische Entwicklung ausgereizt?
Meding:Was die rechtlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften angeht auf jeden Fall. Da bewegen wir uns in Deutschland praktisch auf Champions-League-Niveau. Allerdings denke ich, dass man die Geräuschkulisse nicht komplett ausblenden sollte, weil sonst eine Art Unterwassereffekt eintritt, der jeden Schall doppelt so stark wahrnehmen lässt. Eine laufende Lüftung oder das Türenklappern wird dann gar nicht mehr überdeckt.

Hoteldesign:Ist Betreibern und Eigentümern von Hotels das Design wichtiger als guter Schallschutz?
Meding:Das lässt sich nicht verallgemeinern. Natürlich gibt es Hoteliers, die mit genauen Vorstellungen zu uns kommen. Andere sprechen wir in der Planungsphase gezielt darauf an, sich  Gedanken über mögliche Alternativen Gedanken zu machen. Schließlich bietet der Markt inzwischen großartige Möglichkeiten für Raumteiler, Wand- oder Deckenpaneele, auf Wunsch beleuchtet oder hinterleuchtet. Die Materialen reichen von Schaumstoffen, Filzen über stoff- und lederbespannte Elemente bis hin zu hängenden Feldern mit lebendem Moos.

Hoteldesign:Wie weit hat die Digitalisierung beim Schallschutz Einzug gehalten?
Meding:Ganz klar, bei der Simulierung der Schallwellen im Raum. Früher hat das ein Akustiker aufgrund seiner Lebenserfahrung analysiert, heute kann man dreidimensionale Modelle der Zimmer am Computer erstellen und die Wirkung von Wänden, Möbeln und Elementen berechnen.

ARMIN LEBERZAMMER

 

31.10.2019, ahgz hoteldesign 03/2019, Autor: Armin Leberzammer