ProjekteHotel Dorfhotel Weiße Wiek | Boltenhagen

Das Dorfhotel in Boltenhagen ist Bestandteil des Resorts „Weiße Wiek“ Boltenhagen und vereint klassische Bäderarchitektur mit modernen Ansprüchen an ein Familienhotel. Sämtliche Gebäude sind wie eine Perlenschnur an der Wasserlinie zwischen Strand und Hafen aufgestellt.

Presseartikel

„Mehr Psychologe als Architekt“Beate Na_

Vier Zeitungszeilen- und alles war geritzt. Vier Zeilen und die Berufskarriere von Harro Grimmer lief zielgenau zu dem, was er als das „im Moment ideale Tätigkeitsfeld“ bezeichnet: Eine Position, in der er vielseitig arbeiten kann, nicht nur auf gestalterischen Höhenflügen, sondern mit besonderer Vorliebe auch im steinigen Tal nüchterner Wirtschaftsberechnungen. Und dazu noch in verantwortlicher Position.

Harro Grimmer ist Prokurist der Hamburger MPP, Meding Plan + Projekt GmbH: „Da kann ich das Kreative mit dem Organisatorischen verbinden und habe alle Stellhebel in der Hand, um ein schönes Produkt zu schaffen.“ Zur MPP, die Jan-Oliver Meding gründete und die heute 25 Mitarbeiter beschäftigt, kam Grimmer über die vier kurzen Zeilen eines Inserats, mit dem die MPP 2002 einen Architekten suchte. Grimmer, nach Architekturstudium in Berlin und fünf Jahren in einem kleinen Hamburger Architekturbüro auf Tapetenwechsel erpicht, bewarb sich- und wurde noch während des Bewerbungsgespräches engagiert.

Lag dieser Blitzerfolg- die berufliche Kompetenz vorausgesetzt- nun an Grimmers Hartnäckigkeit oder an seinem Kommunikationstalent, mit dem er zusätzlich überzeugte? Beide zählt er zu seinen besonderen Stärken. Stärken, die man seiner Meinung nach in seinem Beruf unbedingt braucht, sei es bei unflexiblen Behörden, sei es gegenüber unsicheren oder zögerlichen Auftraggebern. So ist er keineswegs bereit, jede behördliche Entscheidung, die ein Bauvorhaben erschweren kann, einfach hinzunehmen: „Viele Leute sind aus Bequemlichkeit nicht bereit, die Dinge anzuschieben. Auch wenn es nur um kleinere behördliche Genehmigungen geht, hake ich selbst nach, damit es vorwärts geht.“ Weil er außerdem einen „Hang zur Problemlösung statt zur Problembeschaffung“ hat, gibt er auch dann nicht auf, wenn sich Bauherren oder Investoren „aus nicht einsehbaren Gründen gegen etwas sperren“. Er will wissen warum und bohrt so lange, bis man eine Lösung findet. „Auf solchen Besprechungen ist man ja oft mehr Psychologe als Architekt.“

Hartnäckig bleiben

Was nicht heißt, dass nicht auch ihm irgendwann die Puste ausgeht. So ein Moment erwischte ihn während der Arbeit am Ferienresort „Weiße Wiek Boltenhagen“, ein Projekt, das er für den Vertreter der Investoren Jan-Oliver Meding leitete. Drei Jahre hatten sie bereits daran getüftelt, entworfen, verworfen, neu konzipiert. Da machten 2004 die Banken einen Rückzieher, erklärten das Projekt für „nicht finanzierungsfähig“. „Das war einer der seltenen Momente, in dem ich alles hinschmeißen wollte.“ Der Mut wuchs wieder, als Finanzierungspartner und Betreiber signalisierten, sie seien für ein neues Konzept empfänglich.

Fachlich kann Grimmer ohnehin so schnell keiner etwas vormachen. Grimmer ist keiner, der auf Ästhetik setzt und alles andere daneben vergisst. „Natürlich ergreife ich gerne die Chance, wenn das Angebot kommt, an etwas ästhetisch Anspruchsvollem mitzuarbeiten, wie beispielsweise beim Bau der Bibliothek der Bucerius Law School in Hamburg“, sagt er. „Aber auch das Unübliche muss funktionieren.“ Letztendlich ist es ihm wichtiger, „Umfelder für Leute zu schaffen, in denen sie sich wohlfühlen“. Wie viele praktische Details dazu gehören, erfuhr Grimmer auf seiner ersten Stelle nach dem Architekturstudium: „Direkt nach dem Studium in einem kleineren Büro zu arbeiten halte ich für sinnvoller, als gleich bei einem großen Namen anzufangen, wo man nur begrenzt eingesetzt wird.“ Er jedenfalls ist dankbar, dass er in dem Zwei-Mann-Betrieb sämtliche Leistungsphasen lernen durfte, das „Denken auf allen Ebenen“ und das Umsetzen von Ideen und die Projektverantwortung.

Denken auf allen Ebenen

Ganz neu war ihm das alles freilich nicht. Bereits während der Semesterferien arbeitete er in Architekturbüros, nicht nur um das Budget aufzubessern, sondern vor allem, um sich die praktischen Aspekte anzueignen. Unter anderem vermaß er bei einem solchen Job das Pergamon-Museum, ja, die „komplette Museumsinsel“ von Berlin. Kann sein, dass daher sein Traum rührt, „einmal ein Museum mit hoher Besucherfrequenz“ zu bauen. „Da könnte man noch mal das Kreative betonen. Vom Entwurf her wäre das Highlight“.

Bevor die MPP durch die 2Weiße Wiek“ den Sprung in die Hotelbranche schaffte und derzeit neben diversen Budgethotels ein Iberotel im italienischen Castelfalfi baut, waren Pflegeheime ein Schwerpunkt. Doch für Grimmer darf es zwischendurch gerne auch mal eine Lagerhalle sein: „Die Mischung aus gestalterischem und logistischem Anspruch ist reizvoll.“

Und wenn die Gebäude fertig sind, egal für welche Zielgruppe, kommt das wahre Vergnügen für den Vater einer sechsjährigen Tochter: „Das Schöne an der Architektur ist doch, dass man am Ende ein Produkt hat, das sich ansehen und anfassen lässt. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man das dann seinen Kindern zeigen kann.“

Drei Partner für ein TUI-GroßprojektBeate Nass Hotelbau März/April 2009

Das vor einem Jahr eröffnete TUI Resort „Weiße Wiek Boltenhagen“ liegt direkt an der Wasserlinie der Halbinsel Tarnewitz in der südlichen Ostsee. Mit unverbaubarem Meeresblick für sämtliche 400 Zimmer und Apartments. Zwei 4-Sterne-Hotels mit unterschiedlichen Konzepten und eine Marina versprechen viel Abwechslung.

Möwen kreischen, Wellen plätschern, Dunst schwebt überm Horizont. Die Stege des Yachthafens, an denen im Sommer Segel- und Motoryachten schaukeln, sind jetzt im Winter verwaist. Im Hintergrund bahnt sich ein Fischkutter den Weg durch die Eisschollen. Eine Szenerie, die trotz Kälte Spaziergänger auf die Hafenpromenade lockt. Dem, der lieber in der Wärme der Hotels bleibt, entgeht trotzdem nichts: Von sämtlichen Gästezimmern hat man einen unverstellten Blick auf Hafen und Ostsee. Von den 191 des Iberotels genau so wie von den 191 des Dorfhotels. Sämtliche Logisgebäude liegen hübsch ordentlich nebeneinander aufgereiht direkt an der Promenade, nur wenige Meter vom Wasser getrennt. Nichts zeugt mehr davon, dass erst vor rund drei Jahren die militärischen Liegenschaften aus DDR-Zeiten geräumt wurden.

Mit dem 4-Sterne-Superior-Iberotel etablierte TUI das erste Haus dieser unternehmenseigenen Marke in Deutschland, ein zweites entsteht gerade im Resort Fleesensee. Hauptzielgruppe in Boltenhagen sind „wellnessbewusste“ Paare und Alleinreisende. Das „Dorfhotel“, ebenfalls eine TUI-Marke, ist das dritte seiner Art in Deutschland, speziell auf Familien ausgerichtet und besteht neben einem Haupthaus mit Rezeption und zwei Restaurants aus einzelnen „Familienhäusern“ mit je neun Apartments, einem Kinder- und Jugendhaus sowie einem kleinen Hallenbad. Die Gäste des einen Hotels d¸rfen auch die Angebote des zweiten Hotels nutzen.

Doch ohne die Marina mit bisher 290 Bootsliegeplätzen wäre der Reiz des Resorts nur halb so groß. Dafür wurde der bereits vorhandene alte Fischereihafen ausgebaut, Betreiber ist die Sea-Site GmbH. Segler freuen sich, dass damit eine seglerische Lücke im Hafennetz der Mecklenburger und Lübecker Bucht geschlossen wurde. Landratten genießen den Hauch von Luxus und Abendteuer, den sie verbreitet. Und weil alles sich so schön ergänzt, werden Hotels und Marina gemeinsam unter der Dachmarke „Weiße Wiek Boltenhagen“ vermarktet.

Bereits 1998 hatte die Projektentwicklungsgesellschaft Marina Boltenhagen das Gelände erworben. 2001 wurde die Projektleitung und -entwicklung der MPP, Meding Plan + Projekt GmbH übertragen. Lange verfolgte man mit verschiedensten Partnern unterschiedliche Konzepte, bis die TUI AG schließlich den Managementvertrag für das Gesamtresort übernahm.

Öffentliche Fördergelder

Finanziert wurde das 100-Mio.-Euro-Projekt nicht nur durch die Privatinvestoren aus dem Raum Hamburg, sondern auch durch die 46 Mio. Euro Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Darin enthalten sind die Kosten für die Erneuerung der gemeindeeigenen Geländeteile, des alten Fischereihafens, der an den Yachthafen anschließt, die Promenade und die Mole, die allein acht Millionen verschlangt. Zwei Mio. Euro investierte man in Ausgleichsmaßnahmen für den Umweltschutz - schließlich liegt das 118.000 Quadratmeter große Gelände mitten im europäischen Vogelschutzgebiet. „Von Waldersatzpflanzungen über Wildschweinklappen, von der Renaturierung von Bachläufen bis zu Feldermauskästen und der Umpflanzung von Orchideen haben wir alles Mögliche zum Schutz der Natur getan“, berichtet Harro Grimmer, Prokurist der MPP, Meding Plan + Projekt GmbH. Dafür gab es dann auch ein Lob vom Umweltschutzministerium.

Die einzigartige Seelage wurde für die Anlage konsequent genutzt. In architektonischer Hinsicht fast zu konsequent. Denn die bauliche „Schokoladenseite“ des Iberotels, das im Zentrum der Anlage steht, mit ihrem weißen, historischer Bäderarchitektur nachempfundenen Balkonen und Stützpfeilern sieht man nur von der Seepromenade aus. Enttäuschend nüchtern wirkt das Gebäude bei der Anfahrt: Lang gestreckt, schmucklos, wenig einladend. Auch die Familienhäuser des Dorfhotels am Rande der Grünflächen erinnern beim ersten Rundblick eher an eine zwar gepflegte, aber beliebige Vorstadtsiedlung.

Diese architektonische Zurückhaltung ist gewollt. Natur und intelligente Funktionalität sollten dominieren. Ein respektabler Gedanke. Ob aber deshalb die Gestaltung der Anlage derart neutral eingedampft werden muss?

Maritimes Flair im Iberotel

Zentraler Anlaufpunkt jedenfalls ist das Iberotel, das innen mehr hält, als es außen verspricht. Die Drehtür entlässt den Gast auf eine Art Bootssteg aus poliertem Nussbaumparkett, der zwischen sandfarbenen Fliesen quer durch die Halle zur gläsernen Rückfront läuft, hinaus auf die Terrasse und die Stufen hinunter, wo der echte Bootssteg den Verlauf aufnimmt und direkt aufs Wasser führt. Ein stimmungsvoller Effekt.

Links dieses Steges liegen die helle Rezeption, großzügige bequeme Sitzinseln und die „Bernsteinlounge“, eine kleine Bibliothek, in der ausnahmsweise das Rauchen erlaubt ist. Themen aus der umgebenden Natur und – wie sollte es auch anders sein – maritime Anspielungen wurden von Innenarchitektin Kathrin Matthiesen, CM-Design, bemerkenswert subtil eingesetzt. Gelb-, Beige- und Brauntöne assoziiert sie mit Sand und Strand, violette Blockstreifen an der Wand mit den Farben vom Muscheln, Hanffäden in der Strukturtapete mit Schiffstauen.

Rechts vom Bootssteg liegt die kleine offene Bar, durch halbhohe Holzwände abgetrennt, dahinter wiederum das Restaurant „Fine Art“ mit gehobener Küche. Ingesamt bieten diese Räumlichkeiten eine entspannte Atmosphäre, eher solide als originell, aber angenehm unaufdringlich. Die Gästezimmer und Suiten in den Hoteltrakten rechts und links des Haupthauses sind großzügig bemessen, aber in ihrer sandfarbenen Tönung von fast bescheidener Optik.

Überraschend farbig und frisch der Spa-Bereich mit dem Grundkonzept vom Thermenexperten Hilpert. An den Wänden kontrastieren schieferfarbene Mosaiken mit leuchtendem Grün, Geld und Rot. Schieferähnliches Feinsteinzeug und PVC in Nussbaumoptik auf dem Boden sind strapazierfähig und leicht zu pflegen. Prachtvoll bei aller Schlichtheit wirkt die Kaminlounge durch den kreisförmig angeordneten Mittelpunkt mit Tisch, tiefen Korbsesseln und der riesigen trichterförmigen Leuchte. Die Anwendungsräume sind einzelnen Farben zugeordnet, das „Traumbad“ etwa ist in Rot und das Licht von Swarovski-Leuchten getaucht.

Bedingt kinderfreundlich

Schade, dass diese ferienbunte Frische nicht auf die Familienhäuser des Dorfhotels übertragen wurde. Die weißen Fassaden sind zwar mit Farben aufgemuntert, wirken aber vor allem praktisch. Ob sie auch, wie versprochen, familienfreundlich sind, wird spätestens dann fraglich, wenn Eltern vergeblich einen Abstellplatz für den Kinderwagen suchen. Hoteldirektor Thorsten Guse, der beide Hotels leitet, plant des halb den Anbau kleiner „Kinderwagengaragen“. Die Apartments (von 43 bis 65 m2) sind funktional, freundlich und schlicht ausgestattet, aber keineswegs mit – wie man erwarten könnte – besonders kindgerechten Details, etwas mit niedrigen Kinderwaschbecken. Dafür hatte man keinen Platz. Die notwendige Kinderausstattung von der Fußbank bis zur Babybadewanne wird bei Anreise ins Apartment gebracht. Farbenfrohe Wände und Möbel in Kindergröße findet man nur im Kinder- und Jugendhaus.Das Haupthaus des Dorfhotels zeigt sich lockerer: mit halbrunden roten Sofas in der Eingangshalle und einer niedrigen „Kinderrezeption“. Das größere Buffet-Restaurant bietet mit Trennwänden aus Segeltüchern, einer Kinderspielecke und einem hundert Zentimeter hohen, bunt gekachelten Kinderbuffet einen heiteren Anblick. Verspielt-elegant zeigt sich das kleinere a-la-carte-Restaurant in Gelb-Braun-Kontrasten, die Bar mit Galerie holt sich dekorative Anleihen bei einer Schiffswerft. Selbstverständlich liegen alle gastronomischen Bereiche zur Seeseite hin hinter großen Fensterfronten. In Zusammenarbeit mit CM-Design wurden die öffentlichen Bereiche des Dorfhotels von Teamplan ausgestattet.

Belebende Konkurrenz

Für Veranstaltungen aller Art gibt es die „Veranstaltungsscheune“, einen flachen Bau zwischen Iberotel und Dorfhotel, und unterschiedlich kombinierbaren Veranstaltungsräumen von insgesamt 600 m2. Das ist praktisch, weil Tagungsteilnehmer unter sich bleiben können, der Hotelbetrieb nicht gestört wird. Das erste Jahr verlief für die „Weiße Wiek Boltenhagen“ zufrieden stellend – vor allem im Sommer. Dass für den Herbst der Bau des Luxushotels mit 550 Betten angekündigt wird, nimmt man gelassen. Denn je attraktiver die Region, desto mehr Besucher zieht es vermutlich auch in die „Weiße Wiek“, direkt an die Wasserlinie.