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Pläne für Seniorendorf

Voraussichtlich im April kann das Raumordnungsverfahren für das Millionenprojekt abgeschlossen sein. Dann wird klar, wie die Vorstellungen der Investoren umsetzbar sind.

Christinenfeld (OZ) – Ein ganz neues Dorf mit zehnmal so vielen Einwohnern wie im heutigen Christinenfeld soll dort aufgebaut werden, wo bislang ein alter Speicher und wenige ländlich geprägte Häuser entlang der Landesstraße 01 stehen. Nicht etwa ein Bauerndorf mit Misthaufen, Feuerwehrhaus und Sportplatz — ein Wohnort der gehobeneren Klasse hauptsächlich für Senioren, die es sich leisten können und wollen, soll künstlich entstehen. Geplant ist das Dorf bereits komplett mit Golfclub und -anlage, mit Wohn- und Ferienhäusern, mit Einkaufsmöglichkeiten und so genannten Care-Hotels, in denen Urlaub und Pflege oder Reha kombiniert werden sollen.

Die rund 100 Christinenfelder könnten nach diesen Plänen bald mehr als 1000 Nachbarn bekommen. Für rund 1200 dauerhafte Bewohner und Urlauber soll das Wohn- und Feriendorf Christinenfeld ausgelegt sein. Im Moment läuft dafür das Raumordnungsverfahren. „Wir rechnen damit, dass in etwa vier Monaten die Unterlagen vorliegen“, sagt Maria Schultz vom Amt Klützer Winkel. Unter anderem, erklärt sie, dauere so ein Raumordnungsverfahren länger, weil auch Brut- und Rastgewohnheiten von Vögeln beobachtet und beurteilt werden. Dafür müsse man die entsprechenden Monate nutzen. Dem Raumordnungsverfahren wird, sofern es alle Anforderungen erfüllt, ein Planfeststellungsverfahren folgen. Darin geben alle betroffenen Behörden eine Stellungnahme ab und es gibt die Möglichkeit, Einwände zu äußern.

Dem Dorf Christinenfeld, einem Ortsteil der Stadt Klütz, könnte eine Umsetzung der weitreichenden Pläne durchaus nützen. Die Durchfahrtsstraße ist zwar gut in Schuss, aber schon daneben zeigt sich am Fußweg, dass Investitionen dringend nötig sind. Größtenteils bilden nur bröckelige Betonplatten aus frühen DDR-Jahren den Gehsteig. Die Häuser dahinter sind fast alle schön saniert oder renoviert.

Allerdings stehen manche auch zum Verkauf. Das habe allerdings nichts mit den Plänen zur Neugestaltung des Dorfes zu tun, sagt die zuständige Maklerin Kerstin Hinze. Bisher hätten sich die Pläne der Investoren auch noch nicht auf die Grundstückspreise in Christinenfeld ausgewirkt.

Die wenigen Bewohner, die im Dorf unterwegs sind, haben keine großen Erwartungen an die vielleicht auch hochtrabend wirkenden Pläne für das Wohn- und Feriendorf. Sie wollen keine Beeinträchtigung, würden positive Nebeneffekte aber in Kauf nehmen. Einen Golfplatz, den bräuchte sie nicht, sagt eine ältere Frau an ihrem Gartenzaun, die würden doch überall im Land pleite gehen. Und wenn die Planer etwas an ihrem Grundstück verändern wollten, würde ihr das auch nicht gefallen. Aber einen Einkaufsladen oder auch ein Arzt und ähnliche Anlaufstellen direkt in Christinenfeld, fände sie schon schön.

Wie ausführlich die Investoren ihr Projekt schon geplant haben, lässt sich auf der Internetseite http://www.gut-christinenfeld.de/ ansehen. Vom Aufbau des künftigen Dorfes bis zur Ausstattung der Hotels ist dort bereits an alles gedacht. „Die Ergebnisse des ersten Teils des Umweltschutzgutachtens sind gut und wir erwarten demnächst das Verkehrsgutachten“, sagt Olaf von Könemann, einer der Ideenträger.

Man verhandele bereits mit möglichen Partnern für das Großprojekt und auch die Anfragen von möglichen Neu-Christinenfeldern reißen nicht ab, sagt von Könemann. Dass man in dem Dorf noch flexibel bis ins hohe Alter leben könne, sei ein Reiz für die Interessenten. „Wir planen hier kein Altersheim. Da möchte ja kaum jemand seinen Lebensabend verbringen“, sagt Könemann, selber bereits 70 Jahre alt

Ostseezeitung - 29.12.2011