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321 Stufen, 150 Handwerke, 17 Geschosse

WÜRZBURG
Vom Dachdecker über Elektriker,Maler, Trockenbauer, Verputzer bis zumTischler: Rund 150 Handwerker arbeiten inden 17 Geschossen des Hotelturms parallel. Während in den obersten und untersten Geschossennoch an der Rohbaumontage gearbeitetwird, sind in der Turmmitte schonTeppiche verlegt und Möbel eingebaut. ImHerbst wird „Ghotel Hotel & Living“ dasDrei-Sterne-Hotel in der Schweinfurter Straßemit 204 Zimmern und Suiten eröffnen.Bohrer brummen, Schweißfunken fliegen,es riecht nach Gummi, Farbe und Teppichkleber,Handwerker tragen Gipskarton-Plattenvorbei, legen Kabel aus und montierenSprinklerleitungen. Das Innere des Hochhausesgleicht einem Bienenstock, und StefanieSchupp ist die Königin. Mit ihrem permanentklingelnden Handy eilt die Architektinvon Stockwerk zu Stockwerk und nimmtsich Problem für Problem an.“Diese Baustelle ist eine Herausforderung“,sagt die Mitarbeiterin des HamburgerArchitekturbüros MPP (Meding Plan + ProjektGmbH). „Aber eine die Spaß macht.“ EinTeil der Herausforderung ist die Koordinationvon gut einem Dutzend gleichzeitig aufverschiedenen Ebenen arbeitenden Gewerken.Ein anderer ist die Höhe der Baustelle:Seitdem Kran und Außenaufzug abgebautsind, müssen alle Baumaterialien innen nachoben transportiert werden.

Wie beim Bau der Pyramiden
Größtenteils geschieht das über zwei, derdrei Aufzüge des Hochhauses. Doch manchmalsind diese überlastet, und so bleibt nurdie Treppe: 321 Stufen sind es vom Eingangbis aufs Dach. „Dass so auch die Pyramidengebaut wurden, haben wir schon öfter zu hörenbekommen“, sagt die Architektin. Inzwischenhievt im Treppenhaus eine LastwindeZement-, Gips- und Putzsäcke nach oben.Zur weiteren Besonderheit bei der Fertigstellungdes Hotelturms gehört, dass die Fassadeder oberen bei den Stockwerke erst seit Februargeschlossen ist. Deshalb muss hier Zeitaufgeholt werden: Im Moment arbeitet manmit Hochdruck am Einbau der Sprinkler-,Elektro- und Klimatechnik. Auf der Terrasse in58 Metern – ein paar Meter niedriger als dieTurmspitze der Domtürme – bietet sich einwunderbarer Blick über die Stadt. Hier entstehenSuiten. Suiten werden auch in den Geschossen16 bis 12 eingerichtet, darunter folgendie Zimmer. Diese sind bereits in den klassischenGhotel-Farben Gelb und Grau gestrichen,auch die Teppiche liegen schon. Imachten Stock sind die Bäder fertig, vor der Glasfassade kann man sich auf breite Fenster bänke setzen, Schreibtische und Regale aus hellem Holz stehen in den Zimmern.

Mit Lounge, Lobby, Restaurant
Die linsenförrnige Ausbildung des Turmsgibt den Räumen unterschiedliche Formen.In der Südspitze sind die Suiten fast fertig.Dagegen ist das gegenüberliegende Endenoch im Rohbau: Hier war die Fassade ebenfallslänger geöffnet, da der Außenaufzug angebrachtwar. Der Konferenzbereich mit 600Quadratmetern entsteht im ersten und zweitenGeschoss. „Hier haben wir die Betondeckeausgesägt und die Tagungsbereiche miteiner eigenen Treppe verbunden“, erzähltSchupp. So bekommen diese Räume einenautarken Zugang und zusätzlich eine attraktiveLounge. „Das ist für mich eines der Highlightsdes Gebäudes geworden.“Bleibt noch das Erdgeschoss. Da der Turmvon oben nach unten ausgebaut wird, ist manhier am Boden noch beim Ausbau der Rohinstallation.Zwischen den jetzt noch rohen Betonwändesollen bis Herbst die Lobby, ein Restaurantmit 160 Plätzen und ein großer Fitness-und Wellnessbereich fertig werden.

Turmbau
Nach langem Streit über die Auswirkungenauf Stadtbild und Grundwasser und über dieSeriosität des Bauherrn wurde der Hotelturm2002 genehmigt. Die Arbeiten verliefen stockendund wurden eingestellt, als die Fassadebis in den 15. Stockwerk fertiggestellt war.Der Bauherr, die Euro-Gruppe, war insolvent.2005 kaufte die Würzburg Estate S.A. denTurm für 10,2 Millionen Euro, um ihn zu einemHotel fertig zu bauen.Die Hotelkette Ghotel wurde 2009 als Betreibergenannt. Der Termin zum Weiterbauverschob sich immer wieder. OB Georg Rosenthalwettete auf die Fertigstellung bis Ende2011. Doch es wurde Januar 2012, bis dergroße Baukran in der Schweinfurter Straßewieder aufgebaut wurde.

11.07.2012 - Mainpost, Manuela Göbel